Antibiotikarichtlinien

Um die Interpretation von Antibiogrammen zu erleichtern und eine regelrechte, optimierte Antibiotika-Dosierung zu gewährleisten, hat EUCAST  die Definition der Kategorie “intermediär” (I) geändert. Diese Änderungen, zusammen mit den Empfehlungen des Nationalen Antibiotika-Sensitivitätstest-Komitees (NAK), werden seit Februar 2020 auch in unseren Antibiogrammen umgesetzt.

In der bisherigen Einteilung der Antibiotika-Empfindlichkeit von “sensibel”, “intermediär” und “resistent” wurde unter “intermediär” eine antimikrobielle Empfindlichkeit des betreffenden Keimes verstanden, die mit einem unsicheren Therapieerfolg assoziiert ist. Bei Einsatz einer erhöhten Dosis sollte unter bestimmten Umständen allerdings ein Therapie-Ansprechen möglich sein. Des Weiteren wurde der Begriff von Seiten des Labors genutzt, um technisch bedingte Unschärfen bei der Bewertung des Resistenzverhaltens adäquat zu beschreiben. Letztendlich wurde die Kategorie „intermediär“ im klinischen Alltag mehr oder weniger mit „nicht empfindlich“ bzw. „resistent“ gleichgesetzt.

Ansprechpartner

Mikrobiologie

Neue Definition der Kategorie "I"

In der Neudefiniton ergibt sich eine völlig andere Interpretation: Die Kategorie „I“ wird neu definiert als „sensibel bei erhöhter (increased) Exposition“ (des Keimes gegen ein Antibiotikum).

Neue Definition von S, I und R
SErreger ist sensibel gegenüber dem Test-Antibiotikum bei normaler Exposition. Therapieerfolg bei Verwendung der Standarddosis in der üblichen Darreichungsform anzunehmen.
IErreger ist sensibel gegenüber dem Test-Antibiotikum bei normaler Exposition. Therapieerfolg bei Verwendung der Standarddosis in der üblichen Darreichungsform anzunehmen.
  • Erreger ist sensibel gegenüber dem Test-Antibiotikum bei erhöhter (increased) Exposition.
  • Therapieerfolg ist anzunehmen bei:
  • Hochdosis-Therapie (wichtigste und maßgebliche Maßnahme)
  • Veränderung der Dosierungshäufigkeit bzw. Infusionsdauer
RErreger ist resistent gegen das Test-Antibiotikum.
Auch bei erhöhter Exposition kein Therapieerfolg zu erwarten


Durch diese Maßnahmen bzw. das Ausnutzen dieser Effekte lassen sich ebenso gute Therapieerfolge erzielen, wie durch den Einsatz von Antibiotika in Normaldosis bei Keimen, die als „sensibel“ eingestuft werden.

Dosierungstabellen EUCAST/NAK

Erwachsene

 

Kinder

Änderung der MRGN-Klassifikation

Bei der bisherigen Einteilung multiresistenter, gramnegativer Stäbchen (MRGN) wurden die Kategorien „intermediär“ und „resistent“ als „nicht empfindlich“ zusammengefasst. Angesichts der neuen Definition von „I“ als „sensibel bei erhöhter Exposition“ ist dies nicht mehr sinnvoll.

Für die Enterobacterales (z. B. E. coli, Klebsiella spp. und Proteus spp.), Acinetobacter baumannii sowie Pseudomonas aeruginosa ergibt sich folgende Konsequenz  für die Klassifikation als MRGN: Bei den Indexantibiotika wird nicht mehr „R“ und „I“, sondern nur noch das Testergebnis „R“ zugrunde gelegt.

Die Umstellung der Empfindlichkeitstestung, die neue Definition der Kategorie „I“ und damit die Änderung der MRGN- Klassifikation hat Auswirkungen auf die Erreger-Resistenzstatistiken und Auflistungen nach Infektionsschutzgesetz. Eine Vergleichbarkeit der Daten ab 2019 mit den Jahren davor ist damit nur bedingt möglich.